Wie geht es Studierenden im Spannungsfeld von Vorlesungen, gemeinschaftlichem Leben, Ämtern und Campusveranstaltungen? Die Studierendenzufriedenheitsbefragung 2025 an der CVJM-Hochschule gibt darauf ehrliche und differenzierte Antworten. Sie zeigt, was trägt – und wo es spürbar knirscht. Gerade in einer Phase des Umbruchs hin zur Evangelischen Hochschule Hessen lohnt sich ein genauer Blick auf die zentralen Ergebnisse.
Vorstellung der Ergebnisse
Am Mittwochabend, den 14.01.2026, präsentierte Beatrice Müller, die Qualitätsmanagerin der CVJM-Hochschule, einen Teil der Ergebnisse der Studierendenzufriedenheitsbefragung 2025 in einer Online-Veranstaltung via Zoom. Die anonymisierte Befragung hatte bereits vom 17.03. bis 07.04.2025 stattgefunden. Befragt wurden alle immatrikulierten Präsenzstudierenden der Jahrgänge 2021 bis 2024 des Bachelor-Studiengangs „Religions-, Gemeindepädagogik und Soziale Arbeit“ in der Regelstudienzeit. Rund 138 der Präsenzstudierenden nahmen an der Umfrage teil.
Knapp 20 Studierende sowie einige Mitarbeitende der CVJM-Hochschule und Rektor Tobias Faix hörten sich am Mittwochabend interessiert die Ergebnisse der Befragung an.
„Die Studierendenzufriedenheitsbefragung ist mir eine Herzenssache“, erklärte Beatrice Müller gleich zu Beginn der Veranstaltung. Ziel der alljährlichen Befragung sei es, ein möglichst umfassendes Stimmungsbild der Studierendenschaft zu bekommen: Was funktioniert gut? Wo hakt es? Wo besteht noch Entwicklungsbedarf?
Neben verschiedenen Qualitätsdimensionen wie der Hochschul- und Studienorganisation standen insbesondere die Schwerpunktthemen Diversität, Mental Health und Geistliches Leben im Fokus.
Jahresthema Mental Health: Belastung ernst nehmen, Unterstützung ausbauen
„Mental Health“ war 2025 das Jahresthema an der CVJM-Hochschule und wurde durch Homebases, Talks, Workshops und einem Campustag bereits intensiv bearbeitet. Außerdem war es zentraler Bestandteil der Befragung. Im Befragungsblock zu Mental Health gaben ein Viertel bis ein Drittel pro Jahrgang an, die Studienanforderungen als spürbar belastend für ihre mentale Gesundheit zu empfinden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass nicht nur Studienleistungen, Projekte und Prüfungen, sondern auch zahlreiche Studi-Ämter und zusätzliche Angebote an der CVJM-Hochschule zum Studierendenalltag gehören, die in der Summe einen hohen Lern- und Arbeitsaufwand darstellen können. Insgesamt gaben durchschnittlich mehr als ein Drittel der Befragungsteilnehmenden pro Jahrgang an, dass psychische Erkrankungen in den letzten Monaten ihre Studienleistung und Arbeitsfähigkeit negativ beeinflusst haben. Doch auch diese Zahlen dürfen nicht isoliert betrachtet werden: Sie fallen in eine Zeit, in der gesellschaftliche Krisen, Leistungsdruck und Umbrüche das Studium zusätzlich herausfordern.
Rund 25 Prozent der Befragungsteilnehmen gaben an, sich über die bereits bestehenden Angebote hinaus weitere Unterstützungsmöglichkeiten zu wünschen. Zu den Wünschen gehören z.B. eine Änderung in der Ämterstruktur, eine engere Kursgemeinschaft, regelmäßige Umfragen und anonyme Feedbackmöglichkeit sowie psychische Begleitung über das bestehende Seelsorgeangebot hinaus.
Da das Thema „Mental Health“ in der heutigen Zeit immer mehr an Relevanz und Bedeutung gewinnt, sollen weitere Pläne dazu entwickelt und umgesetzt werden. So soll z.B. die Arbeitsgemeinschaft „Mental Health“ weitergeführt werden und ein Campustalk pro Semester stattfinden. Zudem soll das Thema „Mental Health“ zukünftig ins Curriculum aufgenommen und damit bewusst ins Studium integriert werden. Dies zeigt, dass der CVJM-Hochschule die psychische und seelische Gesundheit ihrer Studierenden sehr am Herzen liegen und sie sehr darum bemüht ist, ihre Studierenden dahingehend bestmöglich zu unterstützen.
Geistliches Leben und Gemeinschaft: Starkes Fundament mit Entwicklungswünschen
Die Campusgemeinschaft und das geistliche Leben werden als besonders positiv und tragfähig erlebt. Egal ob gemeinsame Gottesdienste, Andachten, Homebases, Stille Tage oder andere gemeinschaftliche Projekte und Aktivitäten – alle diese Angebote stärken die Gemeinschaft und laden immer wieder zu gemeinsamen Austausch ein. Gleichzeitig werden aber auch Wünsche nach mehr Freiräumen, weniger zeitlichem Druck und weniger Stress bei der Gestaltung von geistlichen Angeboten deutlich. Die Studierenden wünschen sich außerdem mehr Unterstützungsangebote für das persönliche Glaubensleben und mehr Raum für interreligiösen Dialog. Auf diese Rückmeldungen wurde bereits reagiert, etwa durch eine Entzerrung der Dienstagabende und geringere Verpflichtungen bei der Gestaltung geistlicher Formate. So bleibt das geistliche Leben ein Angebot, das tragen soll – nicht zusätzlich belasten.
Organisation und Mitgestaltung: Licht und Schatten
In organisatorischen Fragen zeigt sich ein gemischtes Bild. Positiv hervorgehoben werden das gemeinschaftliche Wohnkonzept sowie die Möglichkeit, sich über Gremien und Beteiligungsformate in Entscheidungsprozesse einzubringen. Viele Studierende erleben hier eine hohe Transparenz und Nähe.
Kritischer bewertet werden hingegen Aspekte der Studienorganisation im Alltag: technische Ausstattung, Campus-Infrastruktur, kurzfristige Terminbekanntgaben und die bisherige Regelung der Anwesenheitspflicht. Diese Punkte zeigen, wie stark organisatorische Fragen den Studienalltag prägen.
Erste Schritte sind erfolgt: Die Anpassung der Anwesenheitspflicht, Lehrveranstaltungen sollen früher kommuniziert werden und im Zuge des geplanten Campuswechsels nach Treysa werden langfristige Lösungen entwickelt. Daneben soll auch die kürzlich eingeführte Campus-App bei organisationalen Fragen und Themen unterstützen und die interne Kommunikation vereinfachen. Auch hier zeigt sich: Rückmeldungen fließen konkret in Entwicklungsprozesse ein.
Gemeinsamer Austausch und Ausblick Richtung Treysa
Während der Präsentation der Ergebnisse wurden die Teilnehmenden durch kurze Umfragen eingebunden. Auf die Frage, was die Hochschule besonders auszeichne, nannten Studierende vor allem das gemeinsame Leben und Lernen, geistliche Angebote, Meinungsvielfalt, Freundschaften sowie die Nahbarkeit zwischen Studierenden und Lehrenden.
Nach der Vorstellung einiger Ergebnisse der Befragung ging es für die Teilnehmenden in Breakout-Session-Rooms, um sich über verschiedene Themen wie das Geistliche Leben, Mental Health oder Diversität auszutauschen. Eine zentrale Leitfrage, über die gemeinsam diskutiert werden konnte, war dabei, was aktuell in dem jeweiligen Themenfeld gut funktioniere und unbedingt im Hinblick auf die Evangelische Hochschule Hessen und den Campusstandort Treysa erhalten bleiben sollte. Die Teilnehmenden konnten sich dafür selbst einen Themenbereich aussuchen und sich in die dazugehörige Breakout-Session einwählen. Nach einer zehnminütigen Austauschphase kamen alle wieder zusammen und es gab die Möglichkeit, die entstandenen Ideen und Ergebnisse miteinander zu teilen.
So ergab der Austausch zur Zukunft des Geistlichen Lebens an der EHH, dass auch künftig am neuen Campus-Standort Treysa regelmäßig Gottesdienste stattfinden sollen, die zeitlich so gestaltet sind, dass auch Pendelnde daran teilnehmen können.
Alle Ideen und Impulse sollen genauso wie die Ergebnisse der Studierendenzufriedenheitsbefragung für die Hochschulentwicklung der neuen EHH und die Gestaltung des zukünftigen, neuen Campus in Treysa genutzt werden und in die Planungsprozesse bewusst mit einfließen.
Einordnung der Ergebnisse und Einladung
Die Ergebnisse der Studierendenzufriedenheitsbefragung 2025 zeichnen kein einheitliches Hochglanzbild, sondern ein realistisches. Sie zeigen eine Hochschule mit einer starken Gemeinschaft und einem tragfähigen geistlichen Profil – und zugleich mit klaren Herausforderungen in Fragen von Belastung, Organisation und Zukunftsgestaltung.
Gerade im Blick auf die neue Evangelische Hochschule Hessen werden die Rückmeldungen der Befragung zu einem wichtigen Kompass. Sie lädt dazu ein, Bestehendes bewusst zu bewahren und zugleich mutig weiterzudenken, damit gemeinsames Leben und Lernen auch künftig gelingt.
Um gemeinsam mutig weiterzudenken und zukünftige Wege auch gemeinsam zu gestalten, lud Beatrice Müller alle Studierenden zu einer weiteren vertiefenden Veranstaltung am 21.04.26 ein, bei der es darum gehen wird, wie es mit der Evangelischen Hochschule Hessen und dem neuen Campusstandort in Treysa weitergehen wird. Alle Studierenden sind herzlich dazu eingeladen, sich mit Ideen am neuen Campusgestaltungsprozess zu beteiligen.
Die 2009 gegründete, staatlich und kirchlich anerkannte CVJM-Hochschule – YMCA University of Applied Sciences – führt in Präsenz- sowie in berufsbegleitenden und onlinebasierten Teilzeit-Studiengängen in den Bereichen Theologie und Soziale Arbeit zum Bachelor of Arts und Master of Arts. Außerdem bildet die CVJM-Hochschule Erzieher*innen und Jugendreferent*innen aus. Verschiedene Weiterbildungen ergänzen das Angebot. Die CVJM-Hochschule betreibt zusätzlich vier Forschungsinstitute (Institut für Erlebnispädagogik, Institut für Missionarische Jugendarbeit, Institut empirica für Jugendkultur und Religion sowie das Evangelische Bank Institut für Ethisches Management). Zum Wintersemester 2023/2024 sind 474 Studierende immatrikuliert. Rektor der CVJM-Hochschule ist Prof. Dr. Tobias Faix. Die Studierenden leben in einer Lern- und Lebensgemeinschaft auf dem bzw. in der Nähe des Campus.
Träger der CVJM-Hochschule ist der deutschlandweite Dachverband der Christlichen Vereine Junger Menschen (CVJM/YMCA), der CVJM Deutschland. Der CVJM/YMCA ist weltweit die größte überkonfessionelle christliche Jugendorganisation, die insgesamt 40 Millionen Menschen direkt erreicht, und weitere 25 Millionen Menschen indirekt. In Deutschland hat der CVJM 310.000 Mitglieder und regelmäßige Teilnehmende. Darüber hinaus erreicht er in seinen Programmen, Aktionen und Freizeiten jedes Jahr fast eine Million junge Menschen. Schwerpunkt des CVJM in Deutschland ist die örtliche Jugendarbeit in 1.400 Vereinen, Jugendwerken und Jugenddörfern.
Ehrenamtlicher Vorsitzender des CVJM Deutschland ist Präses Steffen Waldminghaus. Hauptamtlicher Leiter ist Generalsekretär Pfarrer Hansjörg Kopp.