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Was erlebten die Menschen in Kassel während des Dritten Reichs?

29.05.2023

Studierende, die aktuell das Modul „Migration, Integration und Interkulturalität“ belegt haben, erkundeten Kassel. Bei einer Exkursion unter der Anleitung eines kundigen Stadtführers wurde dabei die Stadtgeschichte lebendig. Los ging es am sogenannten Aschrottbrunnen am Rathaus.

An diesem Ort war ein Obelisk in die Tiefe gebaut worden, als Denkmal an Sigmund Aschrott, einen jüdischer Kaufmann, welcher 1908 der Stadt Kassel ein Geschenk in Form eines Brunnens gemacht hatte. Dieser Brunnen war 1939 von den Nazionalsozialisten zerstört worden. Ein Künstler hatte später (1987) den Brunnen spiegelbildlich in die Tiefe versenkt, als bleibendes Mahnmal an die NS-Zeit.

Weiter ging es dann vorbei an der Karlskirche (die einzige Kirche Kassels in Oktogon-Form), zu den Bürgersälen, welche je nach Inhaber andere Bedeutungen bekamen. Die Säle können wie eine Stadthalle gesehen werden. In der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei)-Zeit wurden sie als „Sturmlokale“ bekannt, da dort die nächsten Angriffe geplant und auch von dort gestartet wurden.

Der erste Mordopfer dort war der Anwalt Max Julius Blauth, der Fälle gegen Nazis und SA-Leuten vertreten hat, unabhängig ihrer Liquidität. Die „Hinrichtung“ wurde mit einem Marsch mit Musikkapelle ins Lokal gestartet. Dort wurde er dann zu 50 Schlägen mit Stock verurteilt. Da er nach 20 Schlägen bewusstlos geworden war, wurde er mit Wasser wieder zurück geholt und die Strafe wurde fortgesetzt. Er starb an den Folgen dieser Peitschenhiebe, an inneren Verletzungen. Die Tat wurde Mitte April 1933 durch einen Bericht in einer englischen Zeitung bekannt.

Für einen besseren Überblick der damaligen Stadt Kassel sind die Studierenden an das Stadtmodell gegangen. Dort sah man, dass die Stadt damals viel enger bebaut war. Teilweise waren die Häuser nur 2,50 m breit.

Versuche des Widerstands

Weiter ging es über einen Abstecher zur Louis-Spohr-Statue auf dem Opernplatz dann in Richtung der damaligen roten Altstadt. Zuvor sollte noch gesagt werden, dass seinerzeit sowohl auf dem Opern- als auch auf dem Friedrichsplatz Kundgebungen stattgefunden hatten. Beispielsweise wurde an einem Samstag ein Gatter aufgestellt mit einem Esel drin. An dem Gatter mit Stacheldraht hing ein Schild, auf dem stand: „Konzentrationslager für Staatsbürger, die noch bei Juden kaufen“. Dieses Zeichen ging gegen die SA-Leute und alle sog. Arier, da die Juden am Samstag frei haben. Hier wurde das Prinzip des Gruppendruckes angewandt.

Der vorletzte Stopp der Exkursion, der Martinsplatz, der mitten in der damaligen Roten Altstadt lag, wurde von der NSDAP immer wieder versucht „einzunehmen“. Dies wurde von den Bürger*innen, die dort wohnten und lebten, immer wieder vereitelt, indem sie Blumen haben sprechen lassen. Dies bedeutet, dass sie Blumentöpfe von oben aus dem Fenster auf die Straße und die Märsche geworfen haben. Die einzige Kundgebung, die dort jemals stattgefunden hatte, war nur möglich, da sie Polizeischutz bekommen hatten. Danach wurde es so dargestellt, als sei die Altstadt eingenommen worden. Von diesem Zeitpunkt an konnte die NSDAP diesen Teil der Stadt einnehmen. Die Kirche wurde teilweise zerstört, wurde dann aber wieder aufgebaut. Bei den Türmen kommt die Besonderheit dazu, dass neue Steine auf alte gebaut wurden, als Symbol.

Den Abschluss hatte die Gruppe bei der Gedenksäule zur Synagoge am Stern (einem zentralen Kasseler Platz). Diese wurde versucht, niederzubrennen, was aber nicht möglich war, da die Synagoge aus Stein war. So wurde nur das ganze Holz darin verbrannt und es wurde dann behauptet, dass das Gebäude einsturzgefährdet sei.

Die verschiedenen Anekdoten und Erzählungen des Stadtführers zeigten den Studierenden anschaulich, welche Charakterzüge in Menschen angelegt sind (über Gruppenzwang und Boshaftigkeit bis hin zu Widerstand und Trotz), was für ihr Studium der Sozialen Arbeit definitiv gewinnbringend ist.


Die 2009 gegründete, staatlich und kirchlich anerkannte CVJM-Hochschule – YMCA University of Applied Sciences – führt in Präsenz- sowie in berufsbegleitenden und onlinebasierten Teilzeit-Studiengängen in den Bereichen Theologie und Soziale Arbeit zum Bachelor of Arts und Master of Arts. Außerdem bildet die CVJM-Hochschule Erzieher*innen und Jugendreferent*innen aus. Verschiedene Weiterbildungen ergänzen das Angebot. Die CVJM-Hochschule betreibt zusätzlich vier Forschungsinstitute (Institut für Erlebnispädagogik, Institut für Missionarische Jugendarbeit, Institut empirica für Jugendkultur und Religion sowie das Evangelische Bank Institut für Ethisches Management). Zum Wintersemester 2023/2024 sind 474 Studierende immatrikuliert. Rektor der CVJM-Hochschule ist Prof. Dr. Tobias Faix. Die Studierenden leben in einer Lern- und Lebensgemeinschaft auf dem bzw. in der Nähe des Campus.

Träger der CVJM-Hochschule ist der deutschlandweite Dachverband der Christlichen Vereine Junger Menschen (CVJM/YMCA), der CVJM Deutschland. Der CVJM/YMCA ist weltweit die größte überkonfessionelle christliche Jugendorganisation, die insgesamt 40 Millionen Menschen direkt erreicht, und weitere 25 Millionen Menschen indirekt. In Deutschland hat der CVJM 310.000 Mitglieder und regelmäßige Teilnehmende. Darüber hinaus erreicht er in seinen Programmen, Aktionen und Freizeiten jedes Jahr fast eine Million junge Menschen. Schwerpunkt des CVJM in Deutschland ist die örtliche Jugendarbeit in 1.400 Vereinen, Jugendwerken und Jugenddörfern.

Ehrenamtlicher Vorsitzender des CVJM Deutschland ist Präses Steffen Waldminghaus. Hauptamtlicher Leiter ist Generalsekretär Pfarrer Hansjörg Kopp.

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