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Ein CVJMer denkt zurück – und schaut nach vorne

03.04.2018
Ludwig Georg Braun spricht an CVJM-Hochschule zu "Ethischem Management"

Im Rahmen der Vortragsreihe „Praxisdialog“ an der CVJM-Hochschule in Kassel hielt der Unternehmer Prof. Dr. h.c. Ludwig Georg Braun einen Vortrag zum Thema „Ethisches Management“. Braun folgte damit einer Einladung von Hochschulrektor Prof. Dr. Rüdiger Gebhardt.

Braun stand 34 Jahre als Vorstandssprecher und später Vorstandsvorsitzender an der Spitze des Medizintechnik- und Pharmaherstellers B. Braun Melsungen AG. Seit 2011 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Gebhardt würdigte Braun in seiner kurzen Einführung als vielseitigen und engagierten Unternehmer, Bürger der Gesellschaft und aktiven Christen. „Die Frage nach einem werteorientierten Management ist auch im Dritten Sektor aktuell wie nie“, erklärte Gebhardt.

Prägende Kindheit und Jugend

Braun gewährte den zumeist jungen Zuhörerinnen und Zuhörern am Anfang seines Vortrages einen persönlichen Einblick in seine eigene Kindheit und Jugend: „Ein CVJMer denkt zurück an den Übergang vom Kind zum Jugendlichen.“ Diese Zeit sei geprägt gewesen von einem exzellenten Jugendleiter: ein Kriegsveteran, der seine Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg gezogen und sich dem Frieden verschrieben hatte. Eine große Begeisterung für Europa entwickelte Ludwig Georg Braun durch eine Fahrradtour, die er als Jugendlicher machte: „Nie ist  etwas Ernsthaftes passiert, alles geschah unter dem Segen Gottes.“ Besonders eindrücklich war für ihn die Nächstenliebe, die sie spürten, obwohl sie in den Nachkriegsjahren als Deutsche unterwegs waren. Seine Wertvorstellungen und die Notwendigkeit zur Nachhaltigkeit im Wirtschaften – auch zum Schutz der Natur – habe er im bäuerlichen Betrieb seiner Familie gelernt, schloss Braun den Abschnitt um seine eigene Prägung.

Ethisches Management ist sinnstiftend

Anschließend warf Braun einen Blick auf das Hier und Jetzt. In einer globalisierten und vom Menschen geprägten Welt habe Führung und Management heute nicht den Erhalt von Macht und Einfluss als Aufgabe, sondern müsse Werte und Sinn stiften. „Die zehn Gebote der Bibel waren gute Leitlinien für meine Arbeit“, erklärte Braun. Management müsse richtiges Handeln vorleben und eine positive Unternehmenskultur und Normen für ein sauberes Geschäft vorgeben. B. Braun sei eine geschlossene Aktiengesellschaft, ein Familienunternehmen. Der Satz: “Ich habe von all dem nichts gewusst“, funktioniere deshalb nicht. „Man muss sauber arbeiten von Beginn an, ansonsten geht es bergab“, so Braun.

Ethisches Management nimmt Mitarbeiter in den Blick

Ethisches Management bedeute auch, seine Mitarbeitenden aktiv in den Blick zu nehmen, erklärte Braun: „Wir müssen uns um unsere Mitarbeitenden bemühen, sie adäquat und fair bezahlen und sie weiterqualifizieren.“

Ethisches Management heiße lebenslanges Lernen ernst zu nehmen, auch für sich selbst. Damit übernehme man Verantwortung für die Zukunft. Dies sei besonders wichtig, weil es eine Aufgabe von Management sei, Zukunft zu erahnen: „Tendenzen und Trends in unserer Gesellschaft sind klar beschrieben. Wir wissen, was auf uns zukommt, man muss nur die richtigen Schlüsse ziehen“, erläuterte Braun. Das gelte auch für den Einsatz neuer Technologien zum Wissenserwerb und deren Auswertung. „Wenn wir offen bleiben für Neues und das Neue nicht nutzen, um andere in eine Abhängigkeit von uns zu bringen, dann können wir gut und ethisch managen“, beschrieb Braun und schloss mit dem Satz: „Das Unvorhergesehene ist wichtig für unser Leben: Es formt, gibt Kraft, Zufriedenheit und lässt uns wachsen.“

An den Vortrag schloss sich eine Fragerunde an. Eine Studentin fragte, ob in großen Unternehmen sozialpädagogisch und theologisch ausgebildete Arbeitnehmer einen Platz hätten. Braun: „Moralisches Handeln im Unternehmen kann durch ein ethisches Controlling gefördert werden. In Zukunft wird es meiner Meinung nach mehr von Ethik geprägte Arbeitsplätze geben.“

Auf die Frage von Hansjörg Kopp, Generalsekretär des CVJM Deutschland, was sich Braun zukünftig vom CVJM wünsche, antwortete dieser: „Seien Sie überzeugt von Ihrer Arbeit und zeigen Sie immer Erneuerungswillen, um zeitgemäß zu sein. Seien Sie offen und trauen Sie sich etwas zu.“
Mit der Vortragsreihe „Praxisdialog“ bietet die CVJM-Hochschule ihren Studierenden ein Format, das ihnen Perspektiven von verantwortlichen Personen aus der Praxis vermittelt.

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Der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM/YMCA) ist weltweit die größte überkonfessionelle christliche Jugendorganisation mit insgesamt 58 Millionen Mitgliedern. In Deutschland hat der CVJM-Gesamtverband 330.000 Mitglieder und regelmäßige Teilnehmer. Darüber hinaus erreicht er in seinen Programmen, Aktionen und Freizeiten jedes Jahr fast eine Million junge Menschen. Schwerpunkt ist die örtliche Jugendarbeit in den 2.200 Vereinen, Jugendwerken und Jugenddörfern.

Die 2009 gegründete staatlich anerkannte CVJM-Hochschule – YMCA University of Applied Sciences – führt in Präsenz- sowie in Online-Studiengängen in den Bereichen Theologie und Soziale Arbeit zum Bachelor of Arts. Sie qualifiziert Menschen für den Dienst am Menschen. In den Bachelorstudiengängen Religions- und Gemeindepädagogik bzw. Soziale Arbeit studieren derzeit 333 Studierende in Voll- und Teilzeit. Der Rektor der CVJM-Hochschule ist Prof. Dr. Rüdiger Gebhardt. Die Studierenden leben in einer Lern- und Lebensgemeinschaft auf dem bzw. in der Nähe des Campus.

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