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Horizonterweiterung und gelebte Interkulturalität

31.01.2022
Seit September 2021 wird die Lehre und das Campusleben an der CVJM-Hochschule auf vielfältige Weise durch einen Gastdozenten aus Nigeria bereichert.

Dr. Blessing Onoriode Boloje lehrte bis Ende dieses Wintersemesters Bachelor- wie auch Master-Studierende im Fachbereich Theologie im Rahmen einer DAAD geförderten Gastdozentur. Über seine bisherigen Erfahrungen berichtet er im Interview (englischer Originaltext weiter unten). Die Fragen stellte Sabrina Köhler, Mitarbeiterin im International Office.

Blessing, was war dein Beweggrund, an einer Hochschule in Deutschland zu lehren?

Zweifellos bietet die Lehrtätigkeit an einer Hochschule für einen Akademiker mehrere Anreize. Die Motivation für meine Bewerbung an einer Hochschule in Deutschland war im Wesentlichen mein Wunsch, in einer vielfältigen Gemeinschaft außerhalb meines gewohnten Umfelds unterrichten zu dürfen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten zu suchen.

Was sind die größten Unterschiede zwischen der CVJM-Hochschule und den Universitäten, an denen du zuvor gelehrt hast?

Ich habe einen Großteil meiner akademischen Laufbahn als Dozent an einem theologischen Seminar verbracht, wo der Schwerpunkt auf der Entwicklung des geistlichen Potenzials und Kompetenz von Studierenden liegt. Der Lehrbereich ermöglicht es mir, den Studierenden zu helfen, sich ihrer selbst als christliche Amtsträger bewusster zu werden und so eine größere geistliche Sensibilität, Selbstvertrauen und Reife im christlichen Verkündigungsdienst innerhalb und außerhalb der Kirche zu entwickeln. Zwar bietet die CVJM-Hochschule die Möglichkeit zur theologischen Ausbildung, doch liegt ein Schwerpunkt der Ausbildung auf der sozialen Arbeit in interkulturellen Kontexten. Einerseits besteht das primäre Ziel der theologischen Ausbildung an meiner Heimathochschule darin, die Studierenden für den pastoralen und praktischen Dienst auszurüsten und ihr geistliches Potenzial und entsprechende Kompetenzen zu vertiefen. Die CVJM-Hochschule hingegen zielt darauf ab, die Studierenden mit religionspädagogischen und praxisorientierten interkulturellen Kompetenzen für die Soziale Arbeit und Religions- und Gemeindepädagogik auszustatten. Es wird deutlich, dass beide Einrichtungen praxisorientierte Bildungsangebote schaffen, die das Leben von Menschen und Gemeinschaften gestalten können. Dies kann als Grundlage für weitere Besuche und eine zukünftige Zusammenarbeit dienen.

Hast du festgestellt, dass du etwas an deinem Unterrichtsstil ändern und ihn an die deutschen Studierenden anpassen musstest?

Ja, in der Tat. Ich musste meinen Ansatz, Fragen zu stellen und dadurch eine engagierte Diskussion mit den Studierenden zu führen, ändern. Ich musste viel mehr reden und lehren, anstatt auf Reaktionen der Studierenden in Form von Fragen und Beiträgen einzugehen. Dies war im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass ich vor allem Englisch als Unterrichtssprache verwendete. Ich beobachtete, dass dies das Diskussionsniveau relativ stark beeinträchtigte, da die Studierenden an einigen Stellen etwas zurückhaltend waren, sich zu äußern.

Was sollte man in Deutschland über Nigeria und die Menschen dort wissen?

Trotz der negativen Darstellung in den Medien ist Nigeria offensichtlich die bevölkerungsreichste schwarzafrikanische Nation der Welt, mit einer Fülle an menschlichen Potenzialen und natürlichen Ressourcen, einer unvergleichlichen kulturellen Pracht und Vielfalt, dem wirtschaftlichen Herzschlag Afrikas und einem der wichtigsten religiösen Zentren der Welt. Auch wenn es angesichts der derzeitigen Arbeitslosigkeit nicht als Land der Möglichkeiten für seine jungen Menschen wahrgenommen wird, sind die Nigerianer hart arbeitende Menschen, die sich nach Möglichkeiten und einem Umfeld sehnen, in dem sie ihr Wachstumspotenzial in verschiedenen Bereichen entdecken, entwickeln und maximieren können. Sie sind ein glückliches Volk und wahrscheinlich das glücklichste Volk der Welt.

Was war dein bemerkenswertestes Erlebnis während deiner Gastdozentur?

Natürlich gab es viele Erlebnisse während meines Aufenthalts in Kassel. Sehr bemerkenswert sind jedoch die Erfahrungen des herzlichen Empfangs und der Gemeinschaft mit den Mitarbeitern, die gastfreundlichen Einladungen zum Mittag- und Abendessen von Kollegen, das bereichernde geistliche Leben und die Gottesdienste der Studierenden, die regelmäßige Teilnahme der Studierenden an meinen Vorlesungen, ihre Bereitschaft und Wissbegierde, und - ganz wichtig - mein Weihnachtsaufenthalt bei Stefan Jung und seiner christusähnlichen Gemeinschaft und Familie. Das muss wohl eines der Ideale des CVJM in Deutschland sein, denke ich?

Welche Erfahrungen nimmst du aus Kassel und deiner Zeit an der CVJM-Hochschule mit? Woran wirst du dich gerne erinnern?

Während ich sehr bemerkenswerte Erfahrungen meines Aufenthaltes an der CVJM-Hochschule hervorgehoben habe, liegen die wichtigsten Beweggründe meiner Gastdozentur in der Möglichkeit, meinen Bildungshorizont über die traditionellen Mauern meiner Heimathochschule hinaus zu erweitern, in der Erfahrung, afrikanische biblische und theologische Lehre für Studierende in einem anderen Kontext anzubieten, neue Lehrtechniken und gemeinschaftliches/teamorientiertes Lehren anzuwenden und Fernunterricht über das Klassenzimmer hinaus zu implementieren. Ich werde mich gerne und von ganzem Herzen an die Gastfreundschaft und herzliche Gemeinschaft erinnern. 

Was möchtest du der CVJM-Hochschule und den Studierenden der CVJM-Hochschule mit auf den Weg geben?

Ich bete und hoffe, dass die CVJM-Hochschule in ihrem kollektiven Bemühen, Bildung und Ausbildung für Menschen aller Kulturen anzubieten und die Grenzen der Integration von Menschen und der sozialen Solidarität der Gemeinschaft zu erweitern, stärker wird. Ich bete für ein tiefes spirituelles Erwachen der Studierenden, die an der CVJM-Hochschule ausgebildet werden, damit sie zu positiven Akteuren des gesellschaftlichen Wandels werden. Das Interesse der Studierenden an praktischer Theologie und ihre religiöse Hingabe lassen mich vermuten, dass die CVJM-Hochschule ein Zentrum für die Entwicklung einer neuen Generation an Theologinnen und Theologen für die Kirche in Deutschland sein könnte. Daher möchte ich die CVJM-Hochschule (Leitung, Mitarbeitende und Studierende) ermutigen, sich mit den theologischen Wurzeln der Nation zu befassen und sich zu bemühen, Studierende mit tiefen und profunden moralischen Bekenntnissen auszurüsten, die auf biblischen Werten beruhen, selbst in einem sich verändernden und herausfordernden moralischen Klima der Zeit. Darüber hinaus möchte ich die CVJM-Hochschule im Hinblick auf ihre interkulturellen Ziele ermutigen, Möglichkeiten für Studierende zu schaffen, Vorlesungen in englischer Sprache zu besuchen, um ihre interkulturellen Kompetenzen zu fördern.


English text:

What was your incentive to teach at a university in Germany?

No doubt, teaching in a University offers several stimulating incentives to an academic. Essentially, the motivation for my application to teach at a University in Germany was my desire to be credentialed for teaching in a community with some diversity outside my familiar environment, and to seek out professional development opportunities.

What are the biggest differences between the YMCA University and universities where you have taught before?

I have spent much of my academic career as a teacher in a theological seminary, where much of the emphasis is on the development of students’ ministerial potential and competency. The educational space allows me to seek to help students to be more conscious of themselves as Christian minister and thus develop greater spiritual sensitivity, self-confidence, and maturity in Christian gospel ministry within and outside the Church. While the YMCA University provides opportunity for theological education, its educational training is however, aimed at social work in intercultural contexts. On the one hand, the primary theological education and training objective in my home institution is to equip students for ministerial opportunities and practical ministry in Churches, and where their ministerial potential and competency are deepened. On the other hand, the YMCA University aimed at equipping students with religious and practice-oriented intercultural educational competencies for social work. Clearly, both institutions offer practice-oriented educational training and opportunities that can shape people’s lives and communities. This can serve as basis for further visitation and future collaboration.

Did you find that you had to change anything about your teaching style and adapt it to German students?

Yes, indeed. I had to change my approach of raising questions and allowing for engaging discussion with students. I had to do much of the talking and teaching rather than listening more to students’ reactions in terms of questions and contribution. This was practically due to the use of English rather than German, as a mode of teaching. I observed that this relatively affected the level of practical discussions as students were a bit reserved to express themselves at some points.

What should people in Germany know about Nigeria and the people there?

Despite her negative portrayal in news media, Nigeria is obviously the most populous black nation in the world, with abundance of human potentials and natural resources, unparallel cultural magnificence and diversity, the economic heartbeat of Africa and one of the major religious centres the world. Whilst it may not be seen as a land of opportunities for her young people, in light of its current state of unemployment, Nigerians are hardworking people who desire opportunities and environments for discovering, developing and maximizing their potential for growth in different spaces. They are a happy people and most probably the happiest people on earth.

What was your most remarkable experience during your guest lectureship?

Obviously, there were many experiences during my stay in Kassel. However, very remarkably are the experiences of warm welcome and fellowship with staff, hospitable invitations for lunch and dinner from colleagues, the enriching devotional life and services of students, students’ prompt attendance to my lectures, their readiness and inquisitiveness, and very importantly, my Christmas stay with Stefan Jung and his Christ-like-discipleship community and family. This must be one of the ideals of the YMCA in Germany, I guess?

What experiences do you take with you from Kassel and your time at the YMCA University? What will you remember fondly?

While I have highlighted very remarkable experiences of my stay at the YMCA University, the primary incentives of my stay would be the opportunity for the fulfillment of self-delight to extend my educational opportunities beyond the traditional walls of my home institution, the experience of providing African biblical and theological instruction to students in a different context, of applying new teaching techniques and collaborative/team teaching, and implementing distance delivered lectures beyond the classroom-based paradigm. I will gladly and wholeheartedly remember your hospitality and warm fellowships.  

What would you like to share with or give to the YMCA University and the students of the YMCA University?

I pray and do hope that YMCA University will grow stronger in her collective effort to provide education and training for people of all cultures, and expounding the frontiers of the integration of people and community social solidarity. I pray for deep spiritual awakening of students who train at the YMCA University, that they become positive agents of societal transformation. The students’ interest in practical theology and their religious devotions suggest to me that the YMCA University would be a centre for developing new breed of theologians for the Church in Germany. Consequently, I wish to encourage the YMCA University (management, staff and students) to look into the nation’s theological roots and seek to raise students with deep and profound moral credentials that are grounded on Biblical values, even in changing and challenging moral climate of the time. Furthermore, I wish to encourage the YMCA University (management, staff and students) in view of her intercultural objectives, to create opportunities for students to attend/receive lectures in English so as to advance their intercultural competencies.


Die 2009 gegründete, staatlich und kirchlich anerkannte CVJM-Hochschule – YMCA University of Applied Sciences – führt in Präsenz- sowie in berufsbegleitenden und onlinebasierten Teilzeit-Studiengängen in den Bereichen Theologie und Soziale Arbeit zum Bachelor of Arts und Master of Arts. Außerdem bildet die CVJM-Hochschule Erzieher*innen und Jugendreferent*innen aus. Verschiedene Weiterbildungen ergänzen das Angebot. Die CVJM-Hochschule betreibt zusätzlich vier Forschungsinstitute (Institut für Erlebnispädagogik, Institut für Missionarische Jugendarbeit, Institut empirica für Jugendkultur und Religion sowie das Evangelische Bank Institut für Ethisches Management). Derzeit sind 574 Studierende immatrikuliert. Rektor der CVJM-Hochschule ist Pfarrer Prof. Dr. Rüdiger Gebhardt. Die Studierenden leben in einer Lern- und Lebensgemeinschaft auf dem bzw. in der Nähe des Campus.

Träger der CVJM-Hochschule ist der deutschlandweite Dachverband der Christlichen Vereine Junger Menschen (CVJM/YMCA), der CVJM Deutschland. Der CVJM/YMCA ist weltweit die größte überkonfessionelle christliche Jugendorganisation, die insgesamt 40 Millionen Menschen direkt erreicht, und weitere 25 Millionen Menschen indirekt. In Deutschland hat der CVJM 310.000 Mitglieder und regelmäßige Teilnehmende. Darüber hinaus erreicht er in seinen Programmen, Aktionen und Freizeiten jedes Jahr fast eine Million junge Menschen. Schwerpunkt des CVJM in Deutschland ist die örtliche Jugendarbeit in 1.400 Vereinen, Jugendwerken und Jugenddörfern.

Ehrenamtlicher Vorsitzender des CVJM Deutschland ist Präses Steffen Waldminghaus. Hauptamtlicher Leiter ist Generalsekretär Pfarrer Hansjörg Kopp.

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