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"Die nehmen uns alles weg!"

15.11.2021
Oder: Vom Umgang mit Stammtischparolen

Viele von uns kennen das: man ist auf einer Familienfeier oder beim Event des örtlichen Sportvereins, alle amüsieren sich, lachen, unterhalten sich. Und auf einmal sagt jemand: „Die nehmen uns alles weg!“ oder „Hartz 4 ist nur für Deutsche!“ – und die Stimmung kippt. Solche rassistischen Stammtischparolen sollte man ja eigentlich nicht unkommentiert lassen. Aber will man jetzt wirklich darauf reagieren und womöglich einen Streit vom Zeit brechen? Was tun?

Antworten auf diese Fragen haben die Mitarbeitenden des nordhessischen „Mobilen Beratungsteam gegen Rechts“, das Anfang November zu Gast an der CVJM-Hochschule war. Passend zum Thema war in die Hochschul-eigene „Pinte“, die Studierenden-Kneipe, eingeladen worden. Das Mobile Beratungsteam beschäftigt sich mit der Thematik schon seit fast 20 Jahren und konnte daher allen Fragen der Anwesenden Rede und Antwort stehen.

Kernstück des Abends war eine Gruppenübung, in der sich die Teilnehmenden in beide Seiten eines Stammtischgesprächs versetzen sollten: sowohl in die Rolle der Personen, die Stammtischparolen à la "Die nehmen uns alles weg!" äußern und auch in die Rolle einer zuhörenden Person.

Die Teilnehmenden haben durch das Rollenspiel gemerkt, dass es einige Gründe gibt, weshalb es oft gar nicht so einfach ist, Stammtischparolen etwas entgegen zu setzen:

  • wenn sehr emotional und mit wenigen Argumenten gesprochen wird
  • weil man Menschen am besten erreicht, wenn man eine Beziehung zu ihnen hat - und das nicht immer der Fall ist
  • wenn jemand schon total festgefahren ist
  • und auch, weil man manchmal Angst hat, selbst blöd dazustehen, keine Antwort zu wissen oder auch einfach von den Umstehenden nicht ernst genommen zu werden

Am Ende des Abends stand fest: es mag keine Patentlösungen gegen Stammtischparolen geben. Womöglich ist es im Grunde auch gar nicht schaffbar, die Provokation des Gegenübers aufzugreifen und ein freundliches Gespräch daraus werden zu lassen.

Aber trotzdem ist es wichtig, zu zeigen, dass man mit dem jeweiligen Statement des/der anderen nicht einverstanden ist. Es ist keine Option, nichts zu sagen – denn Schweigen bedeutet für die anderen Zuhörenden im Raum, dass man der Stammtischparole zustimmt. 

[Ein Beitrag in Zusammenarbeit mit Johanna Schneider]

Der Workshop zu Stammtischparolen fand im Rahmen des Campusprojekts „Exit racism – enter transformation“ statt. Dem Campusprojekt liegt das Buch „Exit Racism“ von Tupoka Ogette zugrunde. Gemeinsam – als Campus – beschäftigen wir uns in diesem Semester mit Fragen rund um Rassismus und Rassismuskritik. Während des Semesters gibt es unterschiedliche Angebote zum Thema, die je nach Interesse besucht werden können.


Die 2009 gegründete, staatlich und kirchlich anerkannte CVJM-Hochschule – YMCA University of Applied Sciences – führt in Präsenz- sowie in berufsbegleitenden und onlinebasierten Teilzeit-Studiengängen in den Bereichen Theologie und Soziale Arbeit zum Bachelor of Arts und Master of Arts. Außerdem bildet die CVJM-Hochschule Erzieher*innen und Jugendreferent*innen aus. Verschiedene Weiterbildungen ergänzen das Angebot. Die CVJM-Hochschule betreibt zusätzlich vier Forschungsinstitute (Institut für Erlebnispädagogik, Institut für Missionarische Jugendarbeit, Institut empirica für Jugendkultur und Religion sowie das Evangelische Bank Institut für Ethisches Management). Derzeit sind 574 Studierende immatrikuliert. Rektor der CVJM-Hochschule ist Pfarrer Prof. Dr. Rüdiger Gebhardt. Die Studierenden leben in einer Lern- und Lebensgemeinschaft auf dem bzw. in der Nähe des Campus.

Träger der CVJM-Hochschule ist der deutschlandweite Dachverband der Christlichen Vereine Junger Menschen (CVJM/YMCA), der CVJM Deutschland. Der CVJM/YMCA ist weltweit die größte überkonfessionelle christliche Jugendorganisation, die insgesamt 40 Millionen Menschen direkt erreicht, und weitere 25 Millionen Menschen indirekt. In Deutschland hat der CVJM 310.000 Mitglieder und regelmäßige Teilnehmende. Darüber hinaus erreicht er in seinen Programmen, Aktionen und Freizeiten jedes Jahr fast eine Million junge Menschen. Schwerpunkt des CVJM in Deutschland ist die örtliche Jugendarbeit in 1.400 Vereinen, Jugendwerken und Jugenddörfern.

Ehrenamtlicher Vorsitzender des CVJM Deutschland ist Präses Steffen Waldminghaus. Hauptamtlicher Leiter ist Generalsekretär Pfarrer Hansjörg Kopp.

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