Synagogenbesuch in Kassel am 09.12.25

Der gemeinsame Besuch in der Jüdischen Synagoge Kassel gab den teilnehmenden Studierenden der CVJM-Hochschule einen besonderen Einblick in die Geschichte, das Leben und die Herausforderungen der Jüdischen Gemeinde Kassel und schaffte Raum für gemeinsamen interreligiösen Austausch.

Am Morgen des 09. Dezembers 2025 versammelte sich der Kurs aus dem Modul „Dialog und Mission – Interkulturelle und interreligiöse Begegnung“ um 9:30 Uhr vor der Kasseler Synagoge. Schon das Ankommen war geprägt von einer besonderen Atmosphäre: Bevor die Studierenden das Gebäude betreten konnten, mussten sie auf die Polizei warten, die für die notwendige Sicherheit sorgte. Dieser Moment des Wartens machte nachdenklich – er erinnerte daran, dass jüdisches Leben in Deutschland bis heute Schutz braucht.

Nach einer freundlichen Begrüßung betraten die Studierenden in Kleingruppen von jeweils vier Personen durch die Sicherheitsschleuse das Gebäude. Was hier organisatorisch notwendig ist, wirkte zugleich erschütternd: Auch viele Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden zeigt sich hier, dass Normalität für jüdisches Leben in Deutschland keine Selbstverständlichkeit ist. Dieser erste Eindruck begleitete viele von den Kursteilnehmenden durch den gesamten Besuch.

In der Synagoge angekommen, wurden die Gäste herzlich empfangen. Die Gastgeberin führte sie in die Geschichte der Jüdischen Gemeinde Kassel ein. Sie berichtete von lebendigem Gemeindeleben vor der Zeit des Nationalsozialismus, aber auch von der systematischen Verfolgung, den Massendeportationen und den gewaltsamen Brüchen, die die Gemeinde während des Dritten Reiches erlitten hat. Die Schilderungen machten deutlich, dass Geschichte hier nicht abstrakt ist, sondern sich in konkreten Biografien, Namen und Schicksalen verdichtet. Der Ort selbst schien diese Erinnerungen zu tragen.

Ein besonderer Moment war die Begegnung mit Lars, der für die Studierenden eine Brücke zwischen CVJM, Kirche und der Kasseler Synagogengemeinde bildete. Über den CVJM lernte er in Skandinavien seine Frau kennen und zog später nach Kassel. Nach dem antisemitischen Anschlag in Halle 2019 übernahm er im Auftrag der evangelischen Kirche regelmäßig ehrenamtlich den sogenannten Wächterdienst vor der Kasseler Synagoge, um Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zu zeigen und ein öffentliches Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.

Im weiteren Verlauf lernten die Kursteilnehmenden den Synagogenraum näher kennen. Die Gastgeberin erklärte ihnen unter anderem die Bedeutung zentraler religiöser Elemente: die Mesusa, eine kleine Kapsel mit einer Pergamentrolle, auf der Teile des jüdischen Glaubensbekenntnisses, dem Schma Jisrael, stehen, den Toraschrein als Herzstück der Synagoge, den Jad, mit dem aus der Tora gelesen wird, sowie die Menora und weitere Symbole jüdischen Glaubens. Mit großer Offenheit sprach sie über jüdische Traditionen, ihren eigenen Glauben und das Miteinander der Religionen – aber auch über die Herausforderungen, mit denen Jüdinnen und Juden heute in Deutschland konfrontiert sind.

Die über zweistündige Begegnung endete mit einer Fragerunde. Viele Eindrücke, Gedanken und Emotionen kamen zusammen und machten deutlich, wie wertvoll dieser direkte Austausch war. Der Besuch wirkte nach – nicht nur als Lernmoment, sondern als persönliche Erfahrung für jeden einzelnen.

„Für mich wurde an diesem Vormittag besonders spürbar, wie wichtig es ist, Erinnerung wachzuhalten, Verantwortung zu übernehmen und füreinander einzustehen“, resümierte Niklas Sprung, Student an der CVJM-Hochschule, nach dem gemeinsamen Synagogenbesuch. „Interreligiöse Begegnungen wie diese schaffen Räume, in denen Verständnis wachsen kann – und sie erinnern daran, dass Wegschauen keine Option ist.“


Die 2009 gegründete, staatlich und kirchlich anerkannte CVJM-Hochschule – YMCA University of Applied Sciences – führt in Präsenz- sowie in berufsbegleitenden und onlinebasierten Teilzeit-Studiengängen in den Bereichen Theologie und Soziale Arbeit zum Bachelor of Arts und Master of Arts. Außerdem bildet die CVJM-Hochschule Erzieher*innen und Jugendreferent*innen aus. Verschiedene Weiterbildungen ergänzen das Angebot. Die CVJM-Hochschule betreibt zusätzlich vier Forschungsinstitute (Institut für Erlebnispädagogik, Institut für Missionarische Jugendarbeit, Institut empirica für Jugendkultur und Religion sowie das Evangelische Bank Institut für Ethisches Management). Zum Wintersemester 2023/2024 sind 474 Studierende immatrikuliert. Rektor der CVJM-Hochschule ist Prof. Dr. Tobias Faix. Die Studierenden leben in einer Lern- und Lebensgemeinschaft auf dem bzw. in der Nähe des Campus.

Träger der CVJM-Hochschule ist der deutschlandweite Dachverband der Christlichen Vereine Junger Menschen (CVJM/YMCA), der CVJM Deutschland. Der CVJM/YMCA ist weltweit die größte überkonfessionelle christliche Jugendorganisation, die insgesamt 40 Millionen Menschen direkt erreicht, und weitere 25 Millionen Menschen indirekt. In Deutschland hat der CVJM 310.000 Mitglieder und regelmäßige Teilnehmende. Darüber hinaus erreicht er in seinen Programmen, Aktionen und Freizeiten jedes Jahr fast eine Million junge Menschen. Schwerpunkt des CVJM in Deutschland ist die örtliche Jugendarbeit in 1.400 Vereinen, Jugendwerken und Jugenddörfern.

Ehrenamtlicher Vorsitzender des CVJM Deutschland ist Präses Steffen Waldminghaus. Hauptamtlicher Leiter ist Generalsekretär Pfarrer Hansjörg Kopp.

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