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Erfahrungsbericht aus dem 4. Jahrgang

Andreas Friesen berichtet von seinem ersten Semester an der CVJM-Hochschule
Foto von Andreas Friesen

Nachdem der 4. Jahrgang im Sommer 2012 sein Studium begonnen hatte, konnte er im vergangenen Semester erste Eindrücke und Erfahrungen über das Leben und Lernen an der CVJM-Hochschule sammeln. Andreas Friesen berichtet davon und zieht ein erstes Fazit nach einem halben Jahr:

Wie geht es dir nach einem Semester an der CVJM-Hochschule?

Ich bin echt froh, hier in Kassel zu sein und an der CVJM-Hochschule zu studieren. Ich hätte nicht erwartet, dass ich hier so schnell zuhause sein würde.

Was fandst du besonders gut? Wo gab es Schwierigkeiten?

Gut war es, die Offenheit und Herzlichkeit vieler Leute am Campus zu erleben (Dozenten, Studierende) und sehen und spüren zu können, wie in unserem Kurs im Großen und Ganzen ein echt tolles Miteinander entstanden ist, obwohl alle so unterschiedlich sind.

Diese Unterschiedlichkeit macht es natürlich auch manchmal schwierig. So musste ich gleich in der ersten Woche feststellen: Dinge, die im Glauben für mich wesentlich sind oder waren, sind für andere gar nicht so selbstverständlich. Das schlägt sich natürlich auch in Vorlesungen nieder. Da werden für einige viele Fragen aufgeworfen. Ob man bereit ist, sich ihnen zu stellen, oder sie lieber zur Seite schiebt, ob man zugibt, dass die Frage möglicherweise einen wunden Punkt trifft oder etwas Sichergeglaubtes erschüttert, ist dann zu entscheiden.

Für mich war auch das WG-Leben etwas Neues. Ich hatte über 10 Jahre ein eigenes Zimmer und die letzten zwei Jahre vor dem Studium eine eigene Wohnung. Das heißt, ich muss lernen, Kompromisse einzugehen, aber auch auf mich selber achten und den gleichen Maßstab, den ich an meine Mitbewohner anlege - was z. B. Ordnung angeht - auch bei mir selber beachten, weil man ja oft mit sich selbst nachsichtiger ist als mit anderen.

Welche Erwartungen hattest du an das Studium und inwieweit wurden sie erfüllt/ nicht erfüllt?

Da ich vor Studienbeginn schon über sechs Jahre aus der Schule raus war - abgesehen von Berufsschulzeiten, die für mich aber nicht wirklich zählen -, habe ich mir schon meine Gedanken gemacht, ob ich es schaffen würde, einen guten Lernrhythmus und gute Methoden zur Prüfungsvorbereitung zu finden. Nach dem ersten Semester würde ich sagen: Ich bin da noch auf der Suche, werde es vermutlich auch immer bleiben, aber ich kann da momentan viel gelassener sein - bis zur nächsten Prüfung.

Wie ist das Verhältnis von Leben und Lernen für dich? Passt es?

Rein theoretisch würde ich sagen: Man kann hier am Campus so leben, dass das Lernen zur Randerscheinung verkommt. Andrerseits kann man sich auch im eigenen Zimmer einschließen oder sich in den Tiefen der Bibliothek vergraben. Es liegt also an einem selbst.

Mir fällt es manchmal schwer, die nötige Disziplin aufzubringen, nicht bei jeder Aktivität am Campus, die mir Spaß machen könnte, dabei zu sein, um Lernstoff aufzuarbeiten, mich auf eine eventuelle Prüfung vorzubereiten oder einfach mal vor Mitternacht ins Bett zu gehen um genügend Schlaf zu bekommen.

Was würdest du einem neuen Erstie an der Hochschule mit auf den Weg geben?

Du brauchst auf jeden Fall viel Disziplin und Eigenverantwortung im Lernen, solltest dabei aber nicht so verbissen sein, dass du nie etwas mit deinen Mitstudierenden erlebst. Ich erlebe hier am Campus die Möglichkeit, Leben miteinander zu teilen, und das nur am Wochenende zu tun, wäre mir z. B. zu wenig.

Außerdem sollte dir bewusst sein, dass du hier auf Menschen stößt, die ihren Glauben unterschiedlich leben und unterschiedliche Vorstellungen von Moral und geistlichem Leben haben. Da entstehen möglicherweise Abwehrhaltungen oder es kommen Fragen auf, die du dir so vielleicht noch nie stellen musstest, die hier aber durch Gespräche mit Kommilitonen oder in Vorlesungen aufgeworfen werden. Es gibt natürlich die Möglichkeit, sich (auch bei sonstigen Konflikten) einfach zurückzuziehen, oder aber das Gespräch zu suchen und offen zu werden.

Andreas Friesen (Studierender an der CVJM-Hochschule, Abschlussjahrgang 2016)
die Fragen stellte Gabriel Kießling (Studierender an der CVJM-Hochschule, Abschlussjahrgang 2013)