kopfbild

"Hoffe auf kritischen Geist der Studierenden"

Portrait Zimmermann

Anlässlich seines Dienstbeginns an der CVJM-Hochschule wurde Germo Zimmermann kurz interviewt:

Herr Dr. Zimmermann, was waren Ihre Beweggründe für einen Wechsel an die CVJM-Hochschule?

Zum einen ist es mir ein Anliegen, dass Studierende bestmöglich für ihre berufliche Zukunft vorbereitet werden. Dazu bedarf es neben einer fachlichen Expertise, kritischer Reflexion und sozialen wie personellen Kompetenzen auch eines Wissens um die grundlegenden Werte für das Handeln in einer pluralen Gesellschaft.

Gerne möchte ich meinen Teil dazu beitragen, Kompetenzen für "CVJM, Kirche und Gesellschaft" zu vermitteln. Der an der CVJM-Hochschule verfolgte ganzheitliche integrative Ansatz und die Verbindung von Wissenschaftlichkeit und Praxisbezug liefern mir dazu eine fruchtbare Grundlage.

Der zweite Grund ist meine Leidenschaft für Forschung und Lehre: Durch meine Dissertations-Studie ist mein Interesse für die Erforschung der Kinder- und Jugendarbeit geweckt worden. Welchen Nutzen haben die Angebote und Projekte für Kinder und Jugendliche? Was motiviert Ehrenamtliche, sich freiwillig zu engagieren? Wie steht es um die Zukunft der Jugendarbeit? Und welche Bedeutung kann dabei die Aus- und Weiterbildung spielen?

Im Bereich der Lehre hatte ich schon während der Promotion die Chance, mich einzubringen und meine Lehrkompetenz an diversen Fachhochschulen in Deutschland zu fördern. Dies nun hauptberuflich tun zu dürfen, empfinde ich als Privileg.

Der dritte Grund ist ein biografischer: Am CVJM-Kolleg habe ich meine Ausbildung zum CVJM-Sekretär absolviert. Die Lehr-, Lern- und Lebensgemeinschaft auf dem Campus ist mir daher vertraut. Dass mit der CVJM-Hochschule auf akademischen Niveau für die Soziale Arbeit und Religionspädagogik ausgebildet wird, halte ich für eine wegweisende Entscheidung: denn qualifizierte Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die ihr professionelles Handeln auf Grundlage von wissenschaftlicher Reflexion, praxisnaher und methodischer Ausbildung und einer Rückbindung an ein tragfähiges Wertekonzept in eine plurale Gesellschaft vermitteln können, benötigen wir heutzutage mehr denn je.

Können Sie uns etwas zu Ihrem Werdegang erzählen?

Erste Einblicke in das heterogene Praxisfeld der Sozialen Arbeit konnte ich im Zivildienst beim Diakonischen Werk erlangen. Das Praxisfeld der verbandlichen Kinder- und Jugendarbeit und das der Jugendsozialarbeit aus hauptberuflicher Perspektive wurde für mich im Freiwilligen Sozialen Jahr im CVJM Bünde konkret. Nach dem Studienjahr der Theologie am CVJM-Kolleg und dem Wechsel an die EFH Bochum habe ich das Studium Soziale Arbeit und ein Aufbaustudium der Gemeindepädagogik und Diakonie absolviert.

Parallel dazu hatte ich die Möglichkeit, mich als Jugendreferent im CVJM Heißen um den Aufbau der Kinder- und Jugendarbeit zu kümmern, eine Zusatzausbildung zum Natursport- und Erlebnispädagogen zu belegen und mich weiter ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit einzubringen. Von 2010 an war ich als Landesjugendreferent im CVJM-Westbund tätig und konnte viele der gelernten Methoden und theoretischen Ansätze in der Praxis verwirklichen.

In meiner berufsbegleitenden Promotion an der Uni Gießen habe ich eine Studie zum Verhältnis von freiwilligem Engagement, Anerkennung und Lebensbewältigung verfasst. Aktuell qualifiziere ich mich in einem berufsbegleitenden Masterstudium an der Uni Hamburg im Bereich der Hochschuldidaktik und hoffe, die neusten Erkenntnisse in Kassel fruchtbar zu machen.

Wo liegt Ihr Schwerpunkt an der CVJM-Hochschule?

Ich bin Lehrstuhlinhaber für die neu geschaffene Professur für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit. Unser Ziel ist es, die Perspektive der Kinder- und Jugendarbeit mitsamt ihren Facetten in Forschung und Lehre einzubringen. Wir fragen uns, wie Kinder- und Jugendarbeit die heutige junge Generation erreicht, welche innovativen Konzepte ihnen soziale, personelle und religiöse Kompetenzen vermitteln können und wie die Perspektive der Kinder- und Jugendarbeit in den Diskurs um Kooperation von Jugendhilfe und Ganztagsschule zukünftig eingebracht werden kann.

Das geschieht etwa durch die strukturelle Verbindung zum Institut für Erlebnispädagogik, bei dem ich die wissenschaftliche Leitung innehabe. Mit unseren erlebnispädagogischen Weiterbildungen bieten wir eine Handlungsmethode, die in den unterschiedlichen Praxisfeldern der Jugendarbeit zum Einsatz kommen kann.

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?

Ich wünsche den Studierenden drei Dinge: Erstens, dass Sie sich mit ihrem kritischen Geist in die wissenschaftstheoretischen wie praxisorientierten Diskurse der Sozialen Arbeit einbringen. Zweitens, dass sie für Ihren Dienst in der Sozialen Arbeit bestmöglich qualifiziert sind und nicht aufhören, sich weiterzubilden. Und drittens, dass die CVJM-Hochschule mit ihrem ganzheitlichen, integrativen Ansatz die Grundlage dazu liefert.


Die Fragen stellte Matthias Schultz, Referent für Kommunikation im CVJM-Gesamtverband