headerbild

Erlebnispädagogik am anderen Ende der Welt

Institut für Erlebnispädagogik schult Mitarbeitende des YMCA Peru

Azpitia, ein kleiner unscheinbarer Ort mitten im Nirgendwo. Umgeben von Sandbergen scheint die nur 75 km entfernte Metropole Lima ganz weit weg. Und doch wird dieser Ort im Oktober 2015 zum Schauplatz der Erfüllung eines Traums.

Rückblende: Im September 2014 wird Raul Salas, Generalsekretär des YMCA Peru, auf das Institut für Erlebnispädagogik der CVJM-Hochschule aufmerksam und beginnt ein wenig zu träumen. Über Kontakte von Oliver Mally, CVJM-Sekretär der AG in Peru, kommt es zu ersten Gesprächen mit Stefan Westhauser, dem inhaltlichen Leiter des Instituts. Es geht natürlich um Erlebnispädagogik. Aber wenn Raul Salas darüber spricht, dann benutzt er lieber das Wort „CVJM-Pädagogik“. Seine Vision ist es, dass im peruanischen CVJM alle Mitarbeiter im Programmbereich diese Pädagogik  verstehen und anwenden können und sie damit ein integrierter Bestandteil der CVJM-Arbeit wird. Viele weitere Gespräche und intensive Vorbereitungen folgen…

Zurück nach Azpitia, wo dieser Traum nach über einem Jahr an einem Dienstagmorgen Wirklichkeit wird: Es ist der 27. Oktober, etwa 10 Uhr, als über 40 gut gelaunte Peruaner aus einem Bus steigen, der sie zwei Stunden vorher vom CVJM Hauptquartier in Lima abgeholt hat. Erwartungsvoll und sehr motiviert warten sie gespannt auf das was nun beginnen wird: Das Modul 1 „Prozessbegleitung und Leadership im Kontext der Erlebnispädagogik“.

Es folgen vier prall gefüllte Seminartage, geleitet durch das Team des Instituts für Erlebnispädagogik, bestehend aus Stefan Westhauser, Rüdiger Westhauser, Henry Esche und Ruben Ullrich.

Inhaltlich standen die Themen „Führung“, „Ziele“, „Teamentwicklung“, „Kommunikation“ und „Prozessbegleitung“ im Fokus. Ganz im Sinne der Erlebnispädagogik wurden die Seminarinhalte eng an Erlebnisse und Erfahrungen geknüpft. So stand jeder Themenschwerpunkt in direkter Verbindung mit praktischen erlebnispädagogischen Übungen, deren Reflexion auf das jeweilige Thema abzielte. Bemerkenswert war, mit welchem Engagement und Wissensdurst die Teilnehmenden die Inhalte annahmen und regelrecht aufsaugten.

Diese vier Tage vergingen wie im Flug und nach einer kurzen Verschnaufpause von zwei Tagen folgte schon das Modul 2 „Ausbildung zum Outdoor-Trainer Teil 1“. Mit einer auf 14 Teilnehmende verkleinerten Gruppe wurden innerhalb von sieben Tagen konkrete Methoden der Erlebnispädagogik behandelt. Die Teilnehmenden lernten, welche Knoten wichtig sind, wie man einen mobilen Niedrigseilgarten aufbaut, wie man einen Bogen spannt und das Bogenschießen als sinnvolle Gruppenaktivität einsetzt. Dazu kamen noch Teamaufgaben wie der Bau eines Floßes, die Erstellung eines Steinofens inkl. Brotbacken sowie die Errichtung einer überdimensionalen Kugelbahn. Abgerundet wurden die intensiven Tage mit einem besinnlichen Abendabschluss am Lagerfeuer.

Für alle Beteiligten in beiden Kursen waren es intensive und erlebnisreiche Tage. Die Rückmeldungen waren durchweg sehr positiv und die Begeisterung bei der  Zertifikats-Übergabe war stark zu spüren. Mittlerweile sind wieder alle an ihren Arbeitsplätzen und auch das Team des Instituts für Erlebnispädagogik ist mit einem großen Rucksack an Erfahrungen nach Deutschland zurückgekehrt. 

Ein Traum ist in Erfüllung gegangen.

Ausgeträumt hat er sich allerdings noch lange nicht. Nur wenige Tage nach den Seminaren fanden sich die Teilnehmenden im YMCA geschlossen zusammen und haben begonnen, konkrete Ideen zu entwickeln wie die Erlebnispädagogik auch wirklich CVJM-Pädagogik werden kann. Auch konkrete Pläne für die Weiterarbeit stehen schon fest. Im September 2016 soll es eine Wiederholung von Modul 1 geben, vor allem für Teilnehmende aus anderen lateinamerikanischen CVJMs. Zudem steht noch das Modul 3 „Ausbildung zum Outdoor-Trainer Teil 2“ auf dem Programm, das als Trekkingtour in den Anden durchgeführt wird. Denn die Teilnehmenden, die alle 3 Module absolviert haben, erhalten zum Abschluss ein internationales Zertifikat als „Erlebnispädagoge/-in“ vom Institut für Erlebnispädagogik, das auch das Qualitätssiegel für Aus- und Weiterbildung des Bundesverbandes Individual- und Erlebnispädagogik e.V. (BE) tragen wird. Darüber hinaus ist ein zusätzliches Seminar zur Vertiefung von Modul 1 in Planung.

Viele Pläne und Ideen also, und wer Raul Salas kennt, weiß, dass das nur der Anfang eines noch viel größeren Traums ist. 

Stefan Westhauser
Institut für Erlebnispädagogik der CVJM-Hochschule