Evangelische Bank Institut, sozial und wirtschaftlich

Laufende Forschungs- und Studienprojekte

Studie zu Glaubens- und Lebenswelten von Jugendlichen. Wie glauben evangelikale Jugendliche heute?

In Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Jugendkultur und Religion empirica.

Ziel des vorliegenden Forschungsprojekts ist, ein umfassendes Porträt hochreligiöser evangelischer/evangelikaler Jugendlicher zu zeichnen, das ihre Glaubens- und Lebensrealität gleichermaßen erfasst. Die Forschungsfrage „Wie Glauben hochreligiöse Jugendliche im Kontext evangelischer/evangelikaler (Frei-)Kirchen?“ adressiert explizit ihre Glaubenspraxis und erfordert zwei Untersuchungsschwerpunkte: Zum einen setzt das Projekt an den Glaubensinhalten an und fragt danach, wie die Jugendlichen selbst den Begriff Glauben definieren. Zum anderen fragt das Projekt nach ihrer alltagspraktischen Umsetzung des Glaubens.

Durch die gesellschaftlichen Verschiebungen der letzten 25 Jahre ist eine neue global und digital geprägte Generation herangewachsen, die ein ganz eigenes Profil entwickelt. Dies gilt auch für die neue christliche Jugendbiographie, die für viele nicht richtig fassbar sind. Auf der einen Seite sind sie geistlich sehr aktiv, auf der anderen Seite sehr skeptisch gegenüber Kirchen und Gemeinden. Und wenn wir ehrlich sind, dann wissen wir nicht wirklich, wie sie über die Bibel denken und über ethische Fragen denken. Erstaunlicherweise fehlen bislang „empirisch zuverlässige Studien“ über die Ausgestaltung des Glaubens hochreligiöser Jugendlicher und den Einfluss ihrer religiösen Überzeugungen auf ihren Lebensalltag. Diese Forschungslücke würden wir gerne schließen und sie fruchtbar für die Jugend- und Gemeindearbeit machen.

20 Prozent der Deutschen im Alter von 16 bis 29 Jahren sind hochreligiös (viele zählen zu den Evangelikalen). Diese Jugendlichen sind in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens präsent. Im Kontext unserer Studie sind sie in Landeskirchen, Freikirchen oder selbstorganisierten Hauskreisen organisiert, nehmen an Großveranstaltungen wie dem Christival teil und engagieren sich in unterschiedlichen politischen sowie sozialen Bereichen. Sie befassen sich mit politischer Bildung, der Stärkung von Jugendlichen gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit oder der Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung. Sie decken damit ein breites Spektrum gesellschaftsrelevanter Fragen ab und bringen ihre religiösen Überzeugungen in öffentliche Diskurse ein.

 

 

Die Tafeln "in Action" (TinA): Forschungsprojekt zu Organisation, Wachstum und Anpassungsfähigkeit der Tafeln in Deutschland

Logo DIE TAFELN

Es ist paradox: Die über 900 Tafeln in Deutschland sind ein beliebter sozialwissenschaftlicher Forschungsgegenstand. Dennoch sind sie, was ihre konkrete Arbeit, ihre täglichen Herausforderungen und ihre organisatorischen Bearbeitungsmodi von Schwierigkeiten angeht, bis jetzt weitgehend "black boxes". Die Aufmerksamkeit der Forschung liegt primär auf den sozial- und gesellschaftspolitischen Konsequenzen der Tafeln und ihrem spannungsreichen Verhältnis zum Sozialstaat. Als organisierte Handlungssysteme besonderen Zuschnitts sind sie dagegen terra incognita. Kurzum: Sie sind gleichzeitig viel und wenig, umfangreich und dürftig erforscht.

Drei praktische Fragen der Tafelarbeit bilden den Ausgangspunkt für das Forscherteam der CVJM-Hochschule und der Universität Bielefeld. Das Projekt TinA zielt darauf ab, die black boxes der lokalen Tafelarbeit besser auszuleuchten. Es untersucht dafür im Kern drei praktische Fragen der Tafelarbeit: (a) Warum sind die lokalen Tafeln eigentlich so unterschiedlich organisiert? (b) Stößt die Tafelbewegung in Deutschland nicht mittlerweile an Wachstumsgrenzen und worin liegen diese genau? (c) Wie stellen sich die Tafeln auf neue Nutzendengruppen ein? (Dabei ist vor allem an die zahlreichen Flüchtlinge zu denken, die sich zunehmend an die Tafeln wenden.)

Drei Fragen, sechs Erträge

Die Erwartung ist, dass mit der organisationswissenschaftlichen Untersuchung der Tafelarbeit, die diese drei Fragen zum Ausgangspunkt nimmt, im Wesentlichen sechs Erträge verbunden sind. Drei davon sind primär praktischer Natur. Sie sollen in erster Linie gezielte Organisationsentwicklungsschritte (zentral und dezentral) ermöglichen, die ihre Interventionschancen in komplexe Handlungssysteme nicht überschätzen: (1) Die transparente ‚Kartierung‘ der verschiedenen Typen der Tafelorganisation in Deutschland. (2) Die Eröffnung von Chancen wechselseitigen Lernens zwischen lokalen Tafeln. (3) Eine empirisch fundierte Arbeits- und Diskussionsgrundlage, um lokal angepasste Strategien zu formulieren, wie die Tafeln Wachstumsgrenzen und Anpassungserfordernisse an neue Nutzendenkreise organisatorisch begegnen können – ohne das Engagement von Mitarbeitenden und Sponsoren zu ‚entmutigen‘.

Die fachwissenschaftlich zu erwartenden Erträge sind: (4) Die Sackgasse der rein sozialpolitischen – und damit politisierten – Forschung über die Tafeln, ihren gesellschaftlichen Stellenwert und ihre gesellschaftspolitischen Implikationen zu verlassen und die Perspektive auf die Tafeln als komplexe Handlungssysteme zu erweitern. (5) Die organisationswissenschaftlich ungeklärte Forschungsfrage zu bearbeiten, warum scheinbar ‚wesensähnliche‘ Organisationen strukturell so unterschiedliche Entwicklungspfade nehmen. (6) Die Methodologie prozessorientierten Erklärens, die in der Organisationsforschung nur rudimentär ausformuliert ist, gezielt weiterzuentwickeln.

Das Projekt bietet dafür beste Voraussetzungen, da die verfolgte Erklärungsstrategie in zentralen Punkten prozessual angelegt ist. Regelmäßige „Reports“ über Zwischenergebnisse, ein Abschlussbericht sowie zielgruppenspezifische Artikel für einschlägige Fachzeitschriften und Praxismagazine sollen dazu dienen, die Erträge den Tafeln selbst, der interessierten Öffentlichkeit sowie dem Fachpublikum zugänglich zu machen.

Das Projekt wird als Forschungskooperation zwischen dem Arbeitsbereich III (Organisationen) der Fakultät für Soziologie an der Universität Bielefeld und dem Evangelische Bank Institut für Ethisches Management an der CVJM-Hochschule in Kassel durchgeführt.

Nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung in Jugendverbänden

Zeitraum: Seit September 2014

Projektleitung: Prof. Dr. Jörg Woidasky, Hochschule Pforzheim

Projektmitarbeitende: Prof. Dr. Stefan Jung,  Lennart Nuschke

Auftraggeber: Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Beschreibung: Vereine und Verbände sind wichtige, gemeinschaftsbildende Elemente unseres Gemeinwesens. Sie dienen der Umsetzung und Strukturierung des bürgerschaftlichen Engagements. Insbesondere gemeinnützige Vereine zur Förderung kirchlicher, sportlicher, kultureller oder sozialer Belange prägen die Zivilgesellschaft und übernehmen zentrale Funktionen der Kinder- und Jugendbildung: Vereinszeit prägt Kinder und Jugendliche nachhaltig. Ein wichtiges Kennzeichen dieser Vereine und Verbände ist oft die Ehrenamtlichkeit, d. h. die unbezahlte oder lediglich mit geringer Aufwandsentschädigung vergütete Tätigkeit der Vereinsmitglieder. Damit einher gehen in der Regel enge finanzielle Spielräume, da Vereine ohne Gewinnerzielungsabsicht nach dem Kostendeckungsprinzip agieren und neben den Mitgliedsbeiträgen und Einkünften aus Vereinsveranstaltungen meist keine weiteren Mittelflüsse besitzen. Daraus folgt für die meisten Vereine eine knappe finanzielle Ausstattung für ihre Tätigkeiten.

Wichtigste „Handlungsformen“ der Vereine sind Fahrten bzw. Freizeitmaßnahmen, Schulungen und  Gruppenstunden. Hierfür treten die Vereine als Lebensmittel-Nachfrager für große Gruppen auf. Es handelt sich bei der Bereitstellung von Gemeinschaftsverpflegung um die Befriedigung eines Grundbedürfnisses, das über die Qualität der verwendeten Lebensmittel und deren Erzeugungsformen direkt mit ethischen Fragestellungen verknüpft ist. Diese ethischen (und damit auch bildungs- und schulungsrelevanten) Fragestellungen werden u. a. von christlichen oder umweltorientierten Verbänden zunehmend auf ihre konkrete Operationalisierbarkeit im Verbandshandeln überprüft.

Nachhaltigkeit als wichtiges Thema findet auch in den vereins- und verbandsinternen Entwicklungen seinen Niederschlag: Im Rahmen von Schulungen, Aktionen, der Erarbeitung von Handreichungen oder Checklisten ist die Nachhaltigkeitsthematik vielfach präsent. Allgemeine Handlungsanweisungen sind relativ schnell formuliert, die konkrete oder vielleicht sogar messbare Umsetzung der Nachhaltigkeit gelingt jedoch meist bestenfalls punktuell, vermutungsbasiert und mit erheblichem zusätzlichen Aufwand, jedoch nie organisch in typische „Planungs-Workflows“ z. B. der Freizeitplanung integriert.

Das Ziel des Vorhabens ist es, die sich aus der Zwischenstellung von Entscheidern in Vereinen und anderen selbstorganisierten Strukturen ergebende Hebelwirkung zu nutzen, um ein nachhaltiges Konsumverhalten in und für Verbände umzusetzen. Letztlich geht es darum, auch im Bereich der Vereine die Umweltauswirkungen des menschlichen Handelns in Deutschland zu vermindern und die Ressourceneffizienz zu steigern. Konkret soll es den Entscheidern in Verbänden ermöglicht werden, unter minimalem Ressourcenaufwand (Arbeitszeit, Transporterfordernisse, Kosten) die Bedarfe an Lebensmitteln (und ggf. weiteren Verbrauchsmaterialien) zu decken und gleichzeitig gesamtgesellschaftlich eine Änderung der Nachfrage in ihrer Intensität (Suffizienz) sowie eine qualitative Verbesserung (Ressourceneffizienz) umzusetzen.

Inhalt des Vorhabens ist die Entwicklung eines Kommunikations- und Schulungskonzepts zur nachhaltigen Beschaffung von Lebensmitteln in Jugendverbänden. Dafür sollen Themen aufbereitet, Methoden bereitgestellt und mit einem web-basierten Werkzeug kombiniert werden. Dieses Werkzeug dient der beispielhaften Umsetzung nachhaltiger Beschaffung in Jugendverbänden beginnend mit der Beschaffung von Lebensmitteln durch eine Kombination von Informationen und Aktion (Interaktion, Auslösung und Abwicklung der Bestellung nachhaltiger Produkte. Dabei wird eine konsequente „Web-Orientierung“ für „digital natives“ (z. B. weitestmöglicher Verzicht auf Drucksachen, Erstellung von Web-Ressourcen) verfolgt. Darüber hinaus ist ein Teil des Projekts auf die Verstetigung (wirtschaftliche Eigenständigkeit) der Vorhabensergebnisse durch ein anbieter-übergreifendes Web-Portal mit Schulungs- und Bestell-Elementen und dauerhaftem Betrieb aus Lizenzeinnahmen der Anbieter ausgerichtet.

Die Kennzeichen des Vorhabens-Ansatzes sind

  • „Expertenwissen für Ehrenamtliche“, d. h. eine hochwertige, anwendungsorientierte Informationsaufbereitung und Schulungsangebote „face-to-face“ und web-basiert für Ehrenamtliche.
  • „Von der Information zur Aktion“, Ermöglichung konkreten nachhaltigen Handelns bei der Beschaffung von Lebensmitteln durch die Einrichtung einer Beschaffungsplattform.

Das Vorhaben dient dabei der Unterstützung der Aktivitäten aller Jugendverbände, die in ihrem Handeln nachhaltiger werden wollen:

  • Das Vorhaben greift bestehende Strömungen, Ideen und Vorarbeiten auf, führt sie zusammen und entwickelt sie – wo gewollt und erforderlich – weiter.
  • Das Ergebnis des Vorhabens wird eine hohe Attraktivität besitzen, damit es dauerhaft und freiwillig von einer großen Zahl ehrenamtlicher Mitarbeitender genutzt werden kann.
  • Die Ergebnisse des Vorhabens dienen zu weltanschaulich neutralen Bildungszwecken.

 Kooperationspartner: 

Berichterstattung:

Focus Online: Qualifikation für eine nachhaltige Verpflegung von Großgruppen - DBU gibt 300.000 Euro [link]

Evangelische Bank Institut für Ethisches Management
CVJM-Hochschule
YMCA University of Applied Sciences
Hugo-Preuß-Str. 40
34131 Kassel

Tel.: (05 61) 30 87-530
E-Mail: info(at)cvjm-hochschule.de

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