Forschungsvorhaben: Persönlichkeit als Bildungsziel?
Prof. Dr. Barbara Schellhammer
Soziale Arbeit, Schwerpunkt: Interkulturelle/Internationale Soziale Arbeit
Die Forschung soll einen Beitrag zum allgemeinen Forschungsinteresse an der CVJM Hochschule leisten, welches unter dem Titel "Identität und Verantwortung" interdisziplinär formuliert wurde.
Problemaufriss und Kurzbeschreibung:
Bereits seit mehreren Jahren scheint ein regelrechter Werteboom in Deutschland stattzufinden. In Wirtschaft, Politik und Gesellschaft steht wertorientiertes Handeln hoch im Kurs. In Zeiten des postmodernen Wertepluralismus sehnen sich die Menschen nach Orientierung und Richtung bei ihrem Tun. Nach der aufklärerischen Entkirchlichung der Gesellschaft, der Aufwertung des Ratio einerseits und einer Absage an die großen Erzählungen der Moderne nebst der Abwertung von Sinn-Bedürfnissen andererseits, werden die unterschiedlichsten Quellen zum Wiederbeleben von Spiritualität neu entdeckt bzw. aufgetan.
Dies scheint nicht zuletzt der Sehnsucht geschuldet, die eigene Kernidentität in Mitten des Trubels postmoderner Persönlichkeitsfragmente[1] irgendwo fest gegründet zu wissen. Die Notwendigkeit der Wandelfähigkeit, sich je nach Lebensumstand flexibel anpassen zu können, wird ebenso gefordert wie Geradlinigkeit, Authentizität, Integrität und klare Selbstpräsentation - oftmals ein für viele kaum zu bewältigender Spagat. Zum erfolgreichen Selbstentwurf und der überzeugenden Darstellung der eigenen Persönlichkeit gehört das Vertreten eindeutiger, möglichst gesellschaftlich relevanter und allgemein akzeptierter Werte.
Vor allem eine Einrichtung wie die CVJM-Hochschule, die sich ausdrücklich zu christlichen Werten bekennt und ganzheitlich Menschen für den Dienst am Menschen ausbilden möchte, stellt sich die Frage, wie sie der Herausforderung nach Werteentwicklung und Identitätsbildung nachkommen kann.
Die interesseleitende Fragestellung des hier kurz umrissenen Forschungsprojekts lautet folglich, ob und wie Persönlichkeit bzw. Werte zielführend an einer Hochschule unterrichtet werden können. Außerdem stellt sich natürlich die Frage, wie das Lernziel "Werte- und Persönlichkeitsentwicklung" überhaupt aussagekräftig nachgewiesen werden kann.
Methodisch soll die Forschung in erster Linie geisteswissenschaftlich-philosophischen Prämissen folgen. Sie will zudem dialogisch im Gespräch mit Studierenden und Kollegen sowie durch dichte Beschreibungen[2] der Entwicklung einer Lehr- und Lernkultur am Campus zu weiterführenden Erkenntnissen diesbezüglich gelangen.
[1] Keupp, H. (Hg.) 1999 (4. Aufl.) Identitätskonstruktionen: Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne. Berlin: Rohwohlt
[2] Geertz, C. 1987 (11. Aufl.). Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. Frankfurt: Suhrkamp

